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9. 5. 2019

Dankesrede von Helmut Brandstätter anlässlich der Verleihung des Ari-Rath-Preises für kritischen Journalismus (Auszüge)

Der Anfang vom Ende

Zuletzt haben mir Kolleginnen und Kollegen verschiedener Redaktionen erzählt, sie würden immer öfter beim Schreiben von Artikeln zumindest kurz daran denken, ob ihnen das schaden könnte ... wer wieder anrufen würde ... wer wieder versuchen würde, einzugreifen ... wer wieder Druck machen würde ....
Und sie tun es. Die Regierung will nicht nur regieren, sondern auch mitreden und kontrollieren, was über das Regieren berichtet wird. Aber: Wenn wir beim Schreiben, beim Berichten und Analysieren auch nur einen Gedanken an mögliche negative Auswirkungen unserer Arbeit zulassen, sind wir schon am Anfang vom Ende der Pressefreiheit.
Die natürliche Distanz des Journalismus zur Macht in der Demokratie, halte ich für eine Voraussetzung für diesen Beruf, auch und gerade, weil einige der hierzulande im Moment Mächtigen nicht verstehen können – oder nicht verstehen wollen, dass Politik und Medien in einem antagonistischen, aber zugleich respektvollen Verhältnis leben müssen. Eine echte, ehrliche Pressefreiheit ist auch Grundlage unserer Demokratie.
 

Ein Verhältnis der Angst
In Österreich ist das Verhältnis von Politikern zu Medien heute sehr, sicher zu stark von purer Angst bestimmt. Politiker haben Angst davor, dass sie "herunter geschrieben" werden, wie das ein Geschäftsmann in Verkleidung eines Journalisten in Österreich gerne unverblümt androht. An höflichen Tagen. An unhöflichen schlägt er zuerst verbal zu, um nachher zu kassieren. Also haben fast alle Politiker Angst davor, dass auch gegen sie kampagnisiert wird, wie sie das bei anderen erlebt haben. Sie haben Angst, dass nachteilige Fotos verwendet werden, und dass sie in ihrer Umgebung als zu schwach wahrgenommen werden, derartige Kampagnen zu verhindern.
Auch Journalisten haben Angst. Zunächst einmal davor, von wichtigen Informationen abgeschnitten zu werden. Im Innenministerium war man dumm genug, das auch noch schriftlich anzuweisen. Dazu kommen existenzielle Ängste, auf beiden Seiten. Abgeordnete zum Nationalrat können in ihrem Wahlkreis noch so fleißig und beliebt sein. Aber wenn der Landeschef, der Parteichef oder gar der Erfinder einer Bewegung den Daumen senkt, dann weiß die ganze Arena – das war´s. Auch für Redakteurinnen und Redakteure kann es existenziell werden, ein weitgehend abgesicherter Job, das war einmal.
In diese Stimmung der allgemeinen Unsicherheit beobachten wir auch noch Attacken auf Journalisten, die ihren Beruf ernst nehmen. Wenn das nicht reicht, kommt es zu Einschüchterungsversuchen aller Art. Ich weiß, wovon ich rede, habe mich aber nicht einschüchtern lassen. Weder durch Klagen noch durch Verleumdungen, als etwa der Sprecher des Vizekanzlers mir einen SS-Verwandten andichten wollten, übrigens unter Berufung auf die Neonazi-Website metapedia. Dass metapedia von Neonazis betrieben wird, hätte er auf den ersten Blick erkennen müssen.

Gratisblatt als Fälscherwerkstätte
Auch Drohungen, unser Wohnhaus auf FPÖ-TV und Facebook zu zeigen, konnten mich nicht einschüchtern. An dieser Stelle ein besonderer Dank an den KURIER und seinen Geschäftsführer Thomas Kralinger, aber auch an den Aufsichtsrat, die optimale Vertretung durch unseren Rechtsanwalt war mir immer sicher. Auch eine Kampagne mit gefälschten Dokumenten und andere Lügengeschichten des Gratisblattes Österreich konnten mir keine Angst machen. Dass schon die SPÖ-ÖVP Regierung diese Fälscherwerkstätte finanzierte, war eine Schande, dass Türkis-Blau noch mehr zahlt und diese oft als Mitteilungsorgan der Regierung verwenden, ist oft nur mehr peinlich.
Wir haben ja auch Privilegien, also dürfen wir auch nicht wehleidig sein. Aber das darf kein Freibrief für persönliche Attacken sein, egal von wem sie kommen.

Ein Wort zum ORF
An dieser Stelle ein Wort zum ORF. Die Diskussion, die hier geführt wird, ist rundherum scheinheilig. Wenn dem ORF die Unabhängigkeit von der Regierung wichtig wäre, warum ist die Führung nicht stärker aufgetreten, jetzt oder bei der vorherigen Regierung? Und wenn der SPÖ die Unabhängigkeit des ORF so wichtig wäre, warum hat sie dann nicht als Kanzlerpartei dafür gesorgt?
Der ORF hat nur eine Chance, das ist die jeweilige Opposition: VOR der nächsten Wahl müssen alle Oppositionsparteien sich auf ein Gesetz für einen parteifernen ORF verpflichten. Und gleichzeitig garantieren, von mir aus per Notariatsakt, nur in eine Regierung einzutreten, die dieses Gesetz auch wirklich umsetzt. Politiker vergessen nämlich manchmal, was sie vor der Wahl versprochen haben.
In der aktuellen Situation aber müssen wir alle den ORF vor diesen primitiven Angriffen, die absurderweise sogar von der Spitze des Stiftungsrates kommen in Schutz nehmen – und gleichzeitig von der Führung verlangen, jede Intervention offen zu legen und gleichzeitig zurückzuweisen – ob es um Personalfragen, den Druck auf Nachrichtensendungen oder die Verhinderung der Ausstrahlung von Produktionen geht. Nur anständiger, unabhängiger Journalismus kann die Existenzgrundlage eines öffentlich-rechtlichen Senders sein.

Öffentliche Kontrolle ist Demokratie
Da ist es umso leichter, dem "public watchdog" einen Maulkorb umzuhängen. Öffentliche Kontrolle ist Teil der Demokratie, die nur eine liberale sein kann, alle anderen Zusätze sind ein Vorwand für deren schrittweise Abschaffung.
Ja, Journalisten haben sich da und dort zu wichtig genommen, da und dort ihre Aufgaben vergessen, und manche von uns sind vielleicht fallweise auch der Macht zu nahe gekommen. Aber das alles darf kein Grund sein, die unabhängige Berichterstattung zu bekämpfen, Journalisten herunter zu machen, sie mit Unwahrheiten öffentlich zu verfolgen oder zu bedrohen, wie auch ich das erlebt habe, manchmal subtil, manchmal weniger subtil.

Rechtspopulismus: Wo sind die Bürgerlichen?

Aber das ist nur ein Teil einer politischen Entwicklung, die man mit dem Wort Rechtspopulismus zusammenfassen kann. Diese Parteien werden das weiter machen, weil es aus ihrer Sicht erfolgreich ist, das wundert mich also nicht. Dass bürgerliche Politiker nicht dagegen aufstehen, das aber enttäuscht mich. Ich dachte immer, ihr Vorbild sei der selbst denkende, freie Citoyen. Beseelt von momentaner Macht übersehen sie aber, dass mehrere Säulen unserer Demokratie untergraben werden, die aber das Funktionieren und den Erfolg der 2. Republik ausgemacht haben.
Nehmen wir die Exekutive, die Ministerien und ihre nachgeordneten Dienststellen. Die Kabinette der Minister, die die Beamten in ihrer Arbeit im Idealfall führen, im schlimmsten aushebeln sollen, sind nichts Neues. Dass aber durch nichts legitimierte Generalsekretäre als politische Vizeminister agieren, ist in der Verfassung nicht vorgesehen.

Überfall auf das BVT
Der Überfall auf das BVT, der – um es vorsichtig zu formulieren, weil die Herrschaften klagen ja gerne – dem Innenminister und seinem Kabinett im Voraus nicht entgangen sein kann, war der vorläufige Höhepunkt einer Kampagne, die alle Beteiligten verunsichern soll. Ein sehr hoher Polizist, der einer der beiden Regierungsparteien nahe steht, sich aber stets als Diener seines Landes sah, sagte mit kürzlich: "Sie glauben gar nicht, wie viele Polizisten schon Angst haben, intern offen zu reden." Und das wagte er erst zu sagen, nachdem er mich gebeten hat, auf WhatsApp anzurufen. "Sie wissen eh, da können wir nicht so leicht abgehört werden."
"Die Herren im Verfassungsgerichtshof sollen lieber Kaninchenfell statt Hermelin tragen, und sie sollen nicht Fasching spielen". Das ist ein Zitat von Jörg Haider, so hat die Verachtung von Höchstgerichten begonnen, die Verachtung für den Rechtsstaat führt sein Schüler Herbert Kickl weiter. Dazu gehört, die Menschenrechte in Frage zu stellen. Und jenen gesellschaftlichen Konsens, der die 2. Republik genau deshalb im Gegensatz zur ersten zu einem Erfolgsmodell gemacht hat, zu unterminieren.
Der Klubzwang im Parlament hat in Österreich Tradition, aber dass man nach der Verfassung frei gewählten Abgeordneten nur einen kleinen Wink geben muss, und sie für das Rauchen in der Gastronomie stimmen, wo sie ein paar Monate zuvor mit voller Überzeugung dagegen gestimmt haben, heißt doch, dass die Angst vor dem Verlust des Mandats größer ist als die eigene Überzeugung. Ja, da ist sie wieder, die Angst, sie treibt auch frei gewählte Mandatare um.
Wer sich lange als Nebenregierung gefiel, wie die Sozialpartner, muss jede Form von Kritik ertragen, die Politiker ertragen müssen. Aber die Sozialpartner stehen für jenen Ausgleich, der Österreich stark und selbstbewusst gemacht hat. Und sie haben zu einem Zusammenhalt beigetragen, der plötzlich nichts mehr wert sein soll.

Freiheit, Demokratie und EU
Zusammenhalt, das ist auch das Stichwort für Europa. Die Nationalisten sind in ihren Formulierungen etwas vorsichtiger geworden, weil der von ihnen bejubelte Brexit ins Chaos geführt hat. Aber ihr Ziel haben sie nicht aufgegeben, die Europäische Union zu zerstören. Die Generation unserer Eltern musste in den Krieg ziehen oder flüchten, uns wurden Freiheit und Demokratie geschenkt, wir werden beides nur gemeinsam in Europa, als bewusste Europäer erhalten.
Es ist die Geschichtslosigkeit in der Politik, die mir auch Sorgen macht. Gegen jede Form von Antisemitismus aufzutreten, ist wichtig und leider immer wieder notwendig. Das Gedicht, wo Menschen wieder als Ratten dargestellt wurden, entmenscht, wie bei den Nazis, ist kein Einzelfall, egal ob es um Juden oder eine andere Gruppe von Menschen geht, die man gerade ausgrenzen oder als angeblichen Feind des Volkes zeigen will. Die Distanzierungen werden häufiger, aber nicht glaubwürdiger.
Und jene, die sich jetzt mal schneller, mal weniger schnell distanzieren, sollen überlegen, mit welchen Parolen eine Stimmung aufbereitet wurde, in der sich wenig gefestigte und auch noch ungeschickte Charaktere bestätigt und motiviert fühlen. Das Klima zunächst verbal radikalisieren und sich dann distanzieren, wenn andere auf Facebook noch schlimmeres schreiben, das ist verantwortungslos. Es ist in den sozialen Medien so einfach, mit den Emotionen der Menschen spielen, sie mit lockeren Sprüchen und auch gefälschten Bildern aufzuhetzen. Aber wer fängt die Emotionen wieder ein, wenn aus Worten wieder Taten werden? Erst vor kurzem haben wir den Überfall auf die Synagoge in San Diego erlebt, mit ähnlichen Formulierungen wie in Christchurch. Anschläge auf Christen in Sri Lanka sind auch das Ergebnis von Verblendung und Verhetzung, das dürfen wir nie akzeptieren, egal gegen wen es geht.
Sie sehen, meine sehr geehrten Damen und Herrn, es sind nicht nur die freien Medien in unserer Demokratie gefährdet, es geht viel tiefer. So wird auch das, was ich seit Jahren Inseratenkorruption nenne, mehr als eine Kombination von einem unanständigen Geschäftsmodell mit gekaufter öffentlicher Lobpreisung. In leider täglich gelebter Konsequenz führt es zur Zerstörung der Akzeptanz des journalistischen Berufs. "Die sind alle käuflich und auch nicht glaubwürdig" – das soll signalisiert werden. So gefährdet die Regierung den Ruf und die Aufgabe des Journalismus, während sie sich mit Steuergeld bejubeln lässt. Und dabei das sogenannte "Sparen im System" vergisst, indem jedes Ministerium viele Mitarbeiter beschäftigt, die einerseits die Medien ständig beobachten und im Zweifel Journalisten auch bedrängen sollen.

Jubelberichte und Message Control
Das ist der eine Teil der Message Control, das Verhindern von Kritik. Der zweite besteht darin, dass Medienmitarbeiter der Minister selbst so tun, als seien sie Journalisten. So verbreiten Ministerkabinette auf Facebook Jubelberichte über das segensreiche Wirken der Regierung in Wort und Bild. Manche Ministerien haben in diesem Bereich ein Vielfaches an Mitarbeitern von gut ausgestatten innenpolitischen Redaktionen.
Eine deutliche Medienförderung, ausgerichtet nach Qualität wird uns seit Jahren versprochen. Versprochen, und nicht gehalten. Dafür gilt die interne, aber unverblümt vermittelte Parole: Entweder ein Medium ist für uns, gut, oder gegen uns – dann wird es bekämpft oder zumindest boykottiert. Solche Medien werden dann als Teil der Opposition hingestellt, so soll ihnen die Glaubwürdigkeit genommen werden, indem man sie als politische Gegner darstellt.
Die Arbeit von Journalisten ist objektiv schwieriger geworden, es muss alles immer schneller gehen, und das auf verschiedenen Plattformen. Die Kritik von Leserinnen und Lesern kommt schneller zu uns, damit müssen wir uns beschäftigen, sie kann auch wichtig sein, uns weiter bringen. Aber bitte um Verständnis, dass ich Kritik von Politikern über unsere Arbeit nicht immer ernst nehme, weil sie eine Agenda verfolgen. Mein Appell an die Regierung: Lassen Sie uns in Ruhe arbeiten, kontrollieren Sie einander, aber nicht ihre Kontrollore.

Feindbilder und Menschen ausgrenzen
Die Institutionen der Demokratie schwächen, von den Gerichten bis zu den Medien, Feinde benennen, Menschen ausgrenzen, das eigene Volk für bedroht erklären und daraus einen neuen Nationalismus nähren, das alles erleben wir, das alles ist kein Zufall, darüber müssen wir reden. Wir alle, die wir keine Angst haben, das führt dort immerhin zu Verwirrung, das widerspricht den Erwartungen. Das ist unsere große Chance. Nein, das ist der Anspruch an den Journalismus immer – und heute ganz besonders. Tatsachen berichten, aber diese auch bewerten, klar, unmissverständlich, ohne Angst.
Wie das Medien in Österreich wieder tun können, egal wer regiert, darüber müssen wir nachdenken und reden, wie Journalisten die notwendige Sicherheit spüren. Ich sage es noch einmal: Wir dürfen niemals während der Arbeit darüber nachdenken, ob uns eine Formulierung schaden könnte. Wir müssen unser Hirn ausschließlich dafür verwenden, nach der Wahrheit zu suchen, das zu berichten, was wir gesehen und gehört haben, das zu schreiben, was wir für richtig halten. Die Sekunde, in der man den Gedanken nach möglichen negativen Konsequenzen zulässt, ist schon das Ende von freien Medien.

#MedienOhneAngst

Ich habe keine Angst – wir haben keine Angst – diesen Satz sollten wir Journalisten immer verwenden, wenn irgendwo Druck aufgebaut wird. Nutzen wir dafür auch die sozialen Medien, um das allen zu sagen – teilen wir den Hashtag MedienohneAngst, je größer die Gruppe von Menschen wird, die das tut, umso klarer wird die Botschaft.

(Helmut Brandstätter, 7.5.2019)
Helmut Brandstätter ist Herausgeber des Kurier und diesjähriger Ari-Rath-Preisträger.
 

11.4.2019

"Ich bin mit der Regierung sehr zufrieden. Ich sehe sehr viel von dem umgesetzt, was nicht nur die identitäre Bewegeung, sondern das gesamte patriotische Lager seit Langem gefordert hat. ... Die Tendenz geht in die richtige Richtung."
Martin Sellner, Chef der Identitären, Österreich (Quelle: Interview in profil 14/2019)

"Wenn wir jetzt nicht höllisch aufpassen, wird die Abkehr von freiheitlicher Ordnung ein bestimmendes Phänomen des 21. Jahrhunderts."
Claus Kleber, aus der Laudatio für Armin Wolf anlässlich dessen Ehrung zum Journalist des Jahres 2018


7.3.2019

"Zum großen Bösen kamen die Menschen nie mit einem Schritt, sondern mit vielen kleinen, von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung. Erst wird gesagt, dann wird getan."
Michael Köhlmeier, 2018


27.2.2019

Ein kurzer aktueller Beitrag meines Studienkollegen Franz Josef Weißenböck, Journalist, Pressereferent im Gesundheits-, Finanz- und Sozialministerium, danach Leiter der Pressestelle des Parlaments, zum Thema
Glaube und Politik.


24. 1. 2019

Das soll in Frage gestellt werden?

Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten

Die Unterzeichnerregierungen, Mitglieder des Europarats –
in Anbetracht der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verkündet worden ist;
in der Erwägung, dass diese Erklärung bezweckt, die universelle und wirksame Anerkennung und Einhaltung der in ihr aufgeführten Rechte zu gewährleisten;
in der Erwägung, dass es das Ziel des Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen seinen Mitgliedern herzustellen, und dass eines der Mittel zur Erreichung dieses Zieles die Wahrung und Fortentwicklung der Menschenrechte und Grundfreiheiten ist;
in Bekräftigung ihres tiefen Glaubens an diese Grundfreiheiten, welche die Grundlage von Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bilden und die am besten durch eine wahrhaft demokratische politische Ordnung sowie durch ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Achtung der diesen Grundfreiheiten zugrunde liegenden Menschenrechte gesichert werden;

entschlossen, als Regierungen europäischer Staaten, die vom gleichen Geist beseelt sind und ein gemeinsames Erbe an politischen Überlieferungen, Idealen, Achtung der Freiheit und Rechtsstaatlichkeit besitzen, die ersten Schritte auf dem Weg zu einer kollektiven Garantie bestimmter in der Allgemeinen Erklärung aufgeführter Rechte zu unternehmen –

usw. (siehe https://www.echr.coe.int/Documents/Convention_DEU.pdf )

Von: "Peter F. Schmid" <pfs@pfs-online.at>
Gesendet: Dienstag, 06. November 2018 um 14:44 Uhr (aktualisiert am 17.12.2018)
Betreff: Zur politischen Situation - Turrini Rede mit einigen Ergänzungen

Liebe Freunde, 

ich hatte vor, einen Artikel zur gesellschaftlichen und politischen Situation in Österreich zu schreiben, die meiner Ansicht nach noch bedrohlicher geworden ist, als ich das schon bisher befürchtet habe. Letzter Auslöser jetzt war der österreichische Rückzug vom Migrationsabkommen der UNO. Ich hatte schon zur Zeit der Bundespräsidentenwahl meine schwerwiegenden Befürchtungen geäußert (siehe die PowerPoint-Folien von einem Vortrag 2016: Vom Einen und vom Verschiedenen) und vor einer Zunahme protofaschistischer Tendenzen gewarnt - bei allen Unterschieden erinnern viele Ereignisse an die zweite Hälfte der Zwischenkriegszeit –, aber es ist meines Erachtens noch schlimmer gekommen.

Nun habe ich aber über meinen Bruder, den ehemaligen Jugendanwalt der Stadt Wien, einen Hinweis auf Rede von Peter Turrini (Audio: https://www.youtube.com/watch?v=F69LXiXCrro; Videoauszug: https://kontrast.at/peter-turrini-klassenkampf/  und https://www.oe24.at/oesterreich/politik/Sprache-der-Gosse-FPOe-attackiert-Turrini/354211691 ) erhalten, die er vor wenigen Tagen im Parlament gehalten hat ("Nachrichten aus Österreich oder Was uns bedroht, sind nicht die Ozonlöcher sondern die Arschlöcher"), und da sagt er so vieles präzise, was ich genau so sehe. Damit kann ich mir einen eigenen Aufsatz sparen. Turrini schreibt aus der Sicht seines Umfelds über die Politiker und Politikerinnen und (!) über den Einzelnen und die Einzelne (was meiner Meinung nach eine wichtige Perspektive ist, weil es das Denken durchkreuzt, es beträfe nur "die da oben" oder "die anderen").

Ich möchte hier nur kurz aus meinen drei Betätigungsfeldern Zusätzliches anmerken: der Kunst, der Kirche, der Psychotherapie.

Einzig die Kunst ist ein Bereich, wo sich breit Widerstand bemerkbar macht, der allerdings auch noch stärker sein könnte. Aber immerhin. Mein Beitrag dazu war u.a. die Episode "Politische Welten" in FAUST III (Buch 4), die ich bereits 2013 geschrieben habe (siehe unten, rechte Spalte), also zu einem recht frühen Zeitpunkt. (Wie harmlos nehmen sich doch heute Stronachs Umtriebe aus gegen das, was jetzt passiert ...)

Bei aller für die Kirchenleitungen diplomatisch gebotenen Vorsicht, die da auch zu berücksichtigen ist, bei aller Anerkennung des sozialen Kurses des Papstes und den semikritischen Äußerungen österreichischer Amtsverteter in der Flüchtlings- und Migrationsthematik, auch in Anerkennung der Tatsache, dass die Europäische Bischofskonferenz sich für den Migratiopnspakt ausgesprochen hat und dass die Theologen und Theologinnen vielfach klar Stellung beziehen (Vgl. auch meinen Artikel: “Der Hut brennt – ein kairologisches Plädoyer” in Diakonia 6, 2010). Wo bleibt der laute Aufschrei der Repräsentanten einer Gemeinschaft, die ihre Existenzberechtigung allein von einem gewissen Jesus bezieht, der sich in dieser Hinsicht nicht nur kein Blatt vor den Mund nahm, sondern offensiv auftrat? Er musste wissen, dass ihm genau das das Leben kosten könnte und so war es auch (die Umstände, die zu Jesu Verurteilung und Hinrichtung führten, dürfen historisch als gesichert gelten).
• Siehe die Tempelvertreibung der Händler, weil Jesus sich dagegen stellte, dass die wirtschaftlichen Interessen das Leben dominierten (Markus 11,15-19: “Mein Haus soll ein Haus für alle Völker sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht).
• Siehe die Rede gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten, also die Führungselite (Matthäus 23: “Weh euch, ihr Heuchler, ihr seid blinde Führer! Ihr Nattern! Ihr Schlangenbrut! Ihr blinden Narren! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung. So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei. ... Alles was sie tun, tun sie nur, dass die Menschen es sehen ... “)
• Siehe die Rede von der Einheit von Gottes- und Nächstenliebe (Matthäus 25, 31-46: “Was ihr für einen  meiner geringsten Brüder [nicht] getan habt, das habt ihr mir [nicht] getan ...”)
Wo bleiben solche klaren Sätze? Aber man will ja parteipolitisch nicht anstreifen ...

Im Bereich der Psychotherapie (und verwandten Berufen) bleibt die große Mehrzahl der Kolleginnen und Kollegen und die Berufsvertretungen weitgehend stumm. Nach wie vor wird vielfach nicht gesehen, dass die therapeutische Arbeit im Kämmerlein der Praxis und die wissenschaftliche im Elfenbeinturm der Unis nicht reicht, sondern es zum Selbstverständnis der Psychotherapie gehören muss, jene Missstände zu benennen, die unsere Klienten und Klientinnen in unsere Praxen führen. Wer, wenn nicht wir, wissen, wie sehr es die gesellschaftlichen Umstände sind, die Not und Krankheit bedingen. Unsere Arbeit kann es nicht sein, “nur” zu “reparieren”; wir müssen die Umstände benennen und anprangern; wir haben eine politische Verpflichtung dazu. (Ich habe das mehrfach näher ausgeführt; siehe http://pfs-online.at/1/zuletzt.htm und http://pfs-online.at/1/mainpapers.htm und unten). Es muss neben der Psychotherapie auch um eine Soziotherapie gehen. Diese Gesellschaft zeigt gerade, wie sehr manche ihrer Glieder krank sind.
Aber wir müssen uns ja zurückhalten, weil wir wollen doch von der Regierung und dem Parlament ein neues Psychotherapiegesetz ....

Ansonsten: siehe Turrini ....

Liebe Grüße
Peter

Weihnachtskrippe ohne Juden, Flüchtlinge, Araber und Neger ...

 

GESELLSCHAFTSPOLITIK & PSYCHOTHERAPIE, SOZIOTHERAPIE

DVD ARTIKEL / PUBLIKATIONEN
Articles / Publications
VORTRÄGE
Papers / Presentations
TEXT AUS FAUST III
Der Tragödie Dritter Teil von Peter F. Schmid

Hope, not optimism. Person-centered challenges 2018. Opening Keynote, PCE World Conference, Vienna, 8 July 2018, DVD, 68 min. Müllheim (Auditorium Netzwerk PCE18-V1D) 2018

 

Person and society. Toward a person-centered sociotherapy, WAPCEPC, 11th PCE Conference, Beyond the frontiers ... experiencing diversity, DVD 1, Buenos Aries (SV DIGITAL - www.svdigital.com.ar) 2014

 

Psychotherapie ist Dialog oder es ist nicht Psychotherapie. Die persönliche und politische Herausforderung der personalen Begegnung. Vortrag Internationales Symposium "Person und Dialog - Kontinuität und Veränderung im Personzentrierten Ansatz | Person and Dialogue - Continuity and Change in the PCA" anläßlich der Verleihung des Carl Rogers Award 2009 der American Psychological Association (APA) an Peter F. Schmid (Wien, 8. & 9. Mai 2009), 9. 5. 2009. DVD: IPS-Symposium 2009, Person und Dialog. Kontinuität und Veränderung im Personzentrierten Ansatz, DVD Nr. 7, Wien (IPS), 2009.
 

Person and Society. Towards a person-centered sociotherapy, in PCEP 14,3 (2015) 217-235 • Link to full article:          http://www.tandfonline.com/doi/pdf/
10.1080/14779757.2015.1062795

Psychotherapy and politics – “Either … or?” or “Both … and”? A brief response to the discussant papers, in: Psychotherapy & Politics International. Special Issue. (Special Issue) 12,1 (2014) 65-69 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/
ppi.1322/abstract

Psychotherapy is political or it is not psychotherapy. The Person-Centered Approach as an essentially political venture, in: Psychotherapy & Politics International. (Special Issue) 12,1 (2014) 4-17 • Link to full article: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/
ppi.1316/abstract

The most personal is the most political. Der Therapeut als Politiker - Eine Analyse, ein personzentriertes Plädoyer und eine Konfliktanzeige, in: PERSON 17,1 (2013) 47-59

La psychothérapie est politique ou ce n'est pas de la psychothérapie. L'approche centrée sur la personne en tant que démarche fondamentalement politique, in: ACP - Pratique et Recherche 18 (2013) 58-80 (trad. Jacques Grisart)

Шмнд, Петнр Ф., Пснхотерапиа - это полнтнка нлн это-не Пснхотерапиа. Человеко-центрнрованный подход предприятиеюю.  Журнал Пракичского Пснхолога 4 (2012) 152-168 [Russian journal 'Journal of Practicing Psychologist]

Psychotherapy is political or it is not psychotherapy. The Person-Centered Approach as an essentially political venture, in: Person-Centered and Experiential Psychotherapies 11,2 (2012) 95-108

Was der Österreicher mag und was gar nicht. "Österreichische Seele": Ein ironischer Befund des Psychotherapeuten Univ.-Doz. Peter F. Schmid. Auszug aus einer Rede bei der Politikmatinee von News und Radio Wien, in: News 43 (2000) 50 (25. 10. 2000) • Vgl. den vollständigen Text online

 

 

 

 

Hope, not optimism. Person-centered challenges 2018. Opening Keynote, PCE World Conference, Vienna, 8 July 2018   Find the PowerPoint slides here

Fostering personalization in an age of fear. Paper Workshop "Whither personhood in the brave new world?" together with Maureen O'Hara, Arthur C. Bohart, 12th WAPCEPC Conference (World Association for Person-Centered and Experiential Psychotherapy), New York City, NYCU (New York City University) - The Graduate Center, July 23, 2016   Read the paper here

Social and political challenges of being a person-centred therapist, London, Metanoia, 5 October 2015

Kann personzentriertes Handeln die Gesellschaft verändern? Auf dem Weg zu einer personzentrierten Soziotherapie. SFU, Wien, 17. 3. 2014

Kann personzentriertes Handeln die Gesellschaft verändern? Auf dem Weg zu einer personzentrierten Soziotherapie. Keynote
Tagung "Sicher, sauber, schnell, schön. Das Ende des Individuums? Personzentrierte Psychotherapie in Begegnung mit gesellschaftlichen Normen." (40 Jahre ÖGwG), Salzburg, 27. September 2014

The political challenges of being a person-centered psychotherapist. Lecture and workshop "Más alla de las fronteras. Experienciando la diversidad", July, 9.-24.7.2014, Buenos Aires, 23.7.2014 (Clase y taller Los desafíos políticos de ser un psicoterapeuta centrado en la persona: Spanish translation of the PowerPoint slides: Claudio Aguado)

Psychotherapie ist Dialog oder es ist nicht Psychotherapie. Die persönliche und politische Herausforderung der personalen Begegnung. Vortrag Internationales Symposium "Person und Dialog - Kontinuität und Veränderung im Personzentrierten Ansatz | Person and Dialogue - Continuity and Change in the PCA" anläßlich der Verleihung des Carl Rogers Award 2009 der American Psychological Association (APA) an Peter F. Schmid (Wien, 8. & 9. Mai 2009), 9. 5. 2009; auf DVD: IPS-Symposium 2009: Person und Dialog: Kontinuität und Veränderung im Personzentrierten Ansatz; DVD Nr. 7. Wien: IPS, 2009.

Co-creating understanding. Anthropological, ethical and political perspectives on psychopathology and diagnosis. Lecture and Workshop, Leeds Metropolitan University, Leeds, June 20, 2008

Diagnose durch Dialog. Anthropologische, ethische und gesellschaftspolitische Perspektiven zu Psychopathologie und Diagnostik.  IPS-Theorie-Workshop, Wien, 26. 4. 2008

Psychotherapy is political or it is not psychotherapy. The actualizing tendency as personalizing tendency. Keynote lecture, 3rd BAPCA Conference 2007: "Person Centred Approach: Past, Present and Future", Cirencester, UK, September 8, 2007

Psychotherapie ist Politik oder sie ist nicht Psychotherapie. Herausforderungen des Personzentrierten Ansatzes an die Psychotherapie. Eröffnungsvortrag im Rahmen des Symposiums "Identitätsentwicklung durch Begegnung", Wien, 27. April 2007

Psychotherapy is dialogue or it is not psychotherapy. The personal and political challenge of being a person-centered psychotherapist. Paper, 7th PCE Conference, Potsdam, July 14, 2006

25 Jahre Austria Programm - der Personzentrierte Ansatz als persönliches und politisches Programm. Einige Lernerfahrungen. Vortrag 7. Theorie-Workshop des IPS: "Der Personzentrierte Ansatz - eine kritische Bilanz", 1. Juni 2003 • Lesen Sie hier den Vortrag samt PowerPoint-Folie online

Psyche und Politik. Zur Seelenlage der Nation. Eingangsreferat Politik-Matinee "Psyche und Politik. Zur Seelenlage der Nation", veranstaltet von PCA, News, ORF Wien und Volkstheater, Volkstheater, Wien, 22. 10. 2000 • Lesen Sie hier den Beitrag online

Was ist personzentriert? Zur Frage von Identität, Integration und Abgrenzung des Paradigmas aus anthropologischer, erkenntnistheoretischer, methodisch-technischer, berufspolitischer und ethischer Perspektive, Symposium Identität - Begegnung - Kooperation, Symposium 2000 zum Jubiläum von GwG, ÖGwG, SGGT und APG, Salzburg, 26. 2. 2000  •  Lesen Sie den Vortrag hier

»Der Geist weht, wo er will.« Spiritualität - was ist das?, Vortrag (Manuskript), 2. IPS-Theorie-Workshop »Das Persönlichste ist das Allgemeinste«: »Das Spirituelle und das Politische« , Großrussbach (Manuskript) 20. 3. 1998

Konkurrenz und Solidarität«. Der Personzentrierte Ansatz in Österreich und Europa. Inhaltliche und politische Überlegungen im Anschluß an den Europäischen Kongreß in Aachen und die Entwicklungen der letzten Zeit, Vortrag APG (Manuskript), Wien 4. 10. 1995

 


MEPHISTOPHELES
  Im Volke gibt es viel Kritik. [,,,]
  Drum zögre keinen Augenblick;
  Benütze das – mach Politik!

FAUST
  Kann die Gesellschaft denn man lehren,
  Sich zu Gemeinsinn zu bekehren?

MEPHISTOPHELES

  Zunächst gewinne ihr Vertrauen.
  So fängst du jede, kriegst du jeden.
  Den Menschen auf das Maul zu schauen
  Und ihnen nach dem Mund zu reden,
  Ist doch für dich, den Sprachgewandten,
  Ein Leichtes. Erst Sympathisanten
  Und jene, die selbst Pläne schmieden;
  Dann alle die, die unzufrieden
  Und sich nach Änderungen sehnen;
  Dann die, die sich als Bessre wähnen;
  Als nächstes die Verdrossenen;
  Sodann die Unentschlossenen
  Von rechts und links.

FAUST
  Wie soll das gehn?

MEPHISTOPHELES
  Es gilt, das Handwerk zu verstehn.
  Erst wie die Sphinx, ganz enigmatisch,
  Erwartungen weck, sei sympathisch.
  Dann such dir aus davon, pragmatisch,
  Was deinen Zielen dienlich, möglich,
  Und das serviere ihnen täglich.
  Sodann ganz klar, unmissverständlich
  Sag, jetzt sei es soweit und endlich
  Bräch eine neue Zeit nun an
  Mit dir, dem Volke treustem Mann.
  Feindbilder baun als nächsten Schritt,

  Das wirkt viel mehr als Dynamit.

  Wirf an dazu die Druckerpresse
  Schreib flott die Headlines, die man mag.
  Ein wenig übel nachgeredet
  Bewirkt, dass man sich fest befehdet.
  Den Gegnern eines in die Fresse;
  Die Auflage steigt Tag für Tag.
  Vermisch Bericht mit Kommentar,
  Misch deine Botschaften hinein,
  Und schon ist es für alle klar:
  So, wie du schreibst, so muss es sein.
  Das alles ist fürwahr nicht ohne.
  So hast du täglich deine ‚Krone‘,
  Bringst, was du denkst, unter die Leute,
  Sie lesen es und glauben’s ‚Heute‘.
  Und im Privatfernsehen schreist
  Du deine Message frech und dreist.

  Vor allem Fremden schür die Angst.
  Schon hast du sie in deinen Händen.
  Frag sie: Was ist’s, wovor du bangst?
  Du würdest das sofort beenden.
  Denn es sei schließlich unbestritten:
  Die nehmen uns die Arbeitsplätze
  Und übertreten die Gesetze.
  Sie frönen ihren eignen Sitten
  Und tragen Kopftuch, Turban gar.
  Da geht es zu wie im Bazar.
  Und in den Schulen, unsre Kinder
  Sind Minderheit: Araber, Inder,
  Tschetschene, Türke, Neger, Tschusch –
  Sagn glatt zu unsern Kindern kusch!
  Das sei nicht länger hinnehmbar.
  Da lässt du dich nicht länger bitten,
  Versprichst das Ende der Gefahr
  Und schon hast du sie in der Hand.

  Das Schreckgespenst des Terrorismus –
  Ausführlich mal es an die Wand,
  Spiel mit dem Nationalismus.
  Für den Erfolg ist das Garant.
  Und kämpfe gegen die EU –
  Das ist ein sicheres Atout.
  Du bist im ganzen Land bekannt;
  Schon wirst als Retter du genannt.

FAUST
  Und wohin soll das Ganze führen?
  Wozu willst meinen Ehrgeiz schüren

MEPHISTOPHELES

  Nebst Fernsehen und Boulevard,
  Den Medien von A bis Z,
  Dem höllenschnellen Internet
  Musst ihren Dünkel du benutzen
  Dort, wo sich Milliarden duzen:
  Im elektronischen Bazar. [...]
  Derweil sie elektronisch schwätzen
  Und sich dabei so glücklich schätzen,
  Kannst du dich an die Spitze setzen.
  Kurzum, du übernimmst die Perspektiven
  Der anderen. Rasch wirst du finden,
  Dass sie dir folgen wie die Blinden
  Dem Hund. [... Du kannst] Mit deinem kognitiven
  Geschick Bedürfnisse erspüren,
  Beliebig so die Seelen führen.
  So kannst du jede, kannst du jeden
  Zu ihrem Vorteil überreden,
  Durch Perspektivenübernahme ,
  Verbunden mit etwas Reklame,
  Von lautrer Absicht überzeugen,
  Die dich beseelt —
  Dass man dich wählt.
  Dazu hilft dir wie früher nie
  Die tolle Werbeindustrie.

  Hast erst die Macht, dann kannst du beugen
  Gesetz und Recht, wie’s passend ist.
  Und nach erstaunlich kurzer Frist
  Hast du den Ausgangspunkt gelegt
  Für alles, was dich so bewegt.
  Durch Klugheit, fein gepaart mit Macht,
  Hast du dein großes Werk vollbracht.
  Drum nütze schlau das Durcheinander
  Von Politik und Propaganda.
  Befriedigst du den Wunsch des Volkes
  Nach Sicherheit und Wohlergehn,
  Wirst im Genusse des Erfolges
  Du neuem Glück entgegengehn.

  Was willst du dich denn hier genieren?
  Musst du nicht längst globalisieren? [...]

  Man wird auf Heinrich Faust den Großen
  Erneut vertrauensvoll anstoßen.

Peter F. Schmid

FAUST III
Der Tragödie III. Teil

Episode
Politische Welten

Buch 4, Seiten 31-110

Wien (Bretterhaus Verlag), Mai 2014, 
3. Aufl. 2018

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CD

Hope, not optimism. Person-centered challenges 2018. Opening Keynote, PCE World Conference, Vienna, 8 July 2018, 2 CDs, 66 min., Müllheim (Auditorium NetzwerkPCE18-V1C) 2018

Peter F. Schmid, Person and society. Toward a person-centered sociotherapy, WAPCEPC, 11th PCE Conference, Beyond the
          frontiers ... experiencing diversity, DVD 1, Buenos Aries (SV DIGITAL - www.svdigital.com.ar) 2014


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